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9. September 2008Straßenverkehr: Senioren auf Fahrrad und zu Fuß besonders gefährdet

Erstmals hat das Statistische Landesamt die Beteiligung von Senioren im Alter von 65 Jahren und mehr an den Verkehrsunfällen mit Personenschaden in Baden-Württemberg ausgewertet. Danach ging bei der Generation 65 plus in den vergangenen 25 Jahren die Zahl der tödlich im Straßenverkehr Verunglückten von 323 im Jahr 1983 auf 132 Todesopfer im Jahr 2007 um rund zwei Drittel zurück. Diese Entwicklung liegt im Trend der insgesamt zurückgehenden Zahlen tödlicher Verkehrsunfälle in Baden-Württemberg. 1983 betrug die Zahl aller tödlich Verunglückten 1 748, im Jahr 2007 lag die Zahl bei 624. Dies sagte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, heute vor der Presse.
Diese positive Entwicklung bei den Senioren in den letzten 25 Jahren traf jedoch nicht auf die Zahl der bei Verkehrsunfällen verunglückten Senioren zu. Die Zahl der verunglückten Senioren, das sind die Getöteten sowie die Leicht- und Schwerverletzten insgesamt, erhöhte sich dagegen um 28 Prozent auf 5 174. Darunter wurde ein deutlicher Anstieg der Verunglücktenzahlen für Pkw-Insassen über 65 Jahre festgestellt. Sie haben um die Hälfte von 1 711 im Jahr 1983 auf 2 573 im Jahr 2007 zugenommen. Die Zahl der verunglückten Fahrradfahrer hat sich sogar mit einem Anstieg von 620 auf 1 272 verdoppelt. Hier wirkt sich möglicherweise das gestiegene »Fitnessbewusstsein« der letzten Jahre auch bei den Senioren aus. Dagegen verunglückten 2007 mit 748 rund 40 Prozent weniger Fußgänger als vor 25 Jahren. Die Zahl aller verunglückten Personen ging in diesen Zeitraum um 26 Prozent zurück.
Die Auswertung für das Jahr 2007 zeige aber, so Brenner, dass Senioren seltener in Verkehrsunfälle verwickelt waren als es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung zu erwarten wäre. So waren unter den 54 000 verunglückten Personen insgesamt 5 174 Senioren im Alter von 65 Jahren und älter betroffen. Damit hatten die über 65-Jährigen einen Anteil an den Verunglückten von insgesamt »nur« knapp 10 Prozent. Dagegen liegt der Anteil der Senioren mit derzeit rund 2 Millionen an der Gesamtbevölkerung bei 19 Prozent.
Damit ist nach Angaben der Präsidentin des Statistischen Landesamtes das Unfallrisiko der Generation 65 plus nur halb so hoch wie es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Hieraus kann jedoch nicht geschlossen werden, dass ältere Menschen im Straßenverkehr deutlich weniger gefährdet seien als jüngere, da mit zunehmendem Alter die Teilnahme am Straßenverkehr tendenziell abnimmt. Damit sinkt dann auch die Gefahr, überhaupt in einen Unfall verwickelt zu werden.
Fahrradfahrer und Fußgänger besonders gefährdet
Dabei unterscheiden sich die Verunglückten der Generation 65 plus gegenüber allen Altersgruppen in der Art der Unfälle und den Folgen, sagte Brenner. Bei den Unfällen mit Personenschaden kamen knapp die Hälfte (2 573) der verunglückten Senioren 2007 als Pkw-Insassen zu Schaden (alle Altersgruppen: 58 Prozent). Mit 1 272 bzw. einem Anteil von 25 Prozent verunglückten aber deutlich mehr Senioren als Fahrradfahrer (alle Altersgruppen: 16 Prozent) und mit 748 oder einem Anteil von 15 Prozent gut doppelt so viele als Fußgänger wie bei allen Altersgruppen insgesamt (7 Prozent).
2007 starben auf den Straßen des Landes 624 Personen, darunter waren 132 Personen 65 Jahre und älter. Davon starben 51 nach einem Unfall mit dem Pkw, 36 Personen waren Fußgänger und 20 waren Radfahrer. 25 Personen kamen bei anderen Verkehrsunfällen ums Leben.
Danach war jeder zweite an den Unfallfolgen gestorbene Fußgänger und jeder dritte getötete Fahrradfahrer im Jahr 2007 in Baden-Württemberg 65 Jahre und älter. Bei den getöteten Pkw-Insassen gehörten etwa 20 Prozent zur Altersgruppe der Senioren.
Die Verletzungsschwere bei den älteren Fußgängern ist im Vergleich zu anderen Verkehrsbeteiligungsarten besonders hoch: Während im Durchschnitt 1,4 Prozent der verunglückten unter 65-jährigen Fußgänger an den Unfallfolgen verstarben, waren es bei den Senioren mit 4,8 Prozent mehr als dreimal so viele. Die Unfallbilanz der Senioren im Pkw sei deutlich niedriger, sagte Brenner. Zudem belegen diese Zahlen, dass ältere Menschen, sofern sie bei einem Unfall verletzt wurden, wegen ihrer körperlichen Konstitution ein wesentlich höheres Sterberisiko haben als junge Menschen.
Männer der Generation 65 deutlich unfallträchtiger als Frauen
Obwohl die Anzahl der Frauen in Baden-Würrtemberg mit knapp 5,5 Millionen um rund 180 000 höher liegt als die der Männer, dominieren letztere dennoch das Unfallgeschehen. Insgesamt waren 2007 unter den 54 000 im Straßenverkehr Verunglückten 58 Prozent Männer und nur 42 Prozent Frauen. In der Bevölkerung über 65 Jahre waren dies 2 714 verunglückte Männer (53 Prozent) und 2 459 Frauen. Bei den Getöteten waren allerdings 64 Prozent (85 Fälle) männlichen und 36 Prozent (47 Fälle) weiblichen Geschlechts. Die Gründe hierfür sind im unterschiedlichen Verkehrsverhalten der Männer und Frauen zu suchen, das u.a. deutlich wird bei der Häufigkeit der Teilnahme am Verkehr und in einer möglichen Neigung der Frauen zu defensiverem Fahrverhalten.
Vorsicht in der Einkaufzeit zwischen 11 und 12 Uhr!
Die tageszeitliche Verteilung der verunglückten Senioren steht im engen Zusammenhang mit der Verkehrsteilnahme und dem täglichen Lebensrhythmus der älteren Menschen sowie den Spitzenzeiten des Berufsverkehrs. Im Jahr 2007 verunglückten 25 Prozent der älteren Menschen in der morgendlichen Einkaufszeit zwischen 9 und 12 Uhr, davon die meisten zwischen 11 und 12 Uhr (fast 10 Prozent). Bezogen auf die gesamte Bevölkerung ist die Zeit zwischen 16 und 18 Uhr besonders unfallträchtig. Ein Grund könnte die geringere Konzentration auf den Straßenverkehr nach einem Arbeitstag sein, dass die Unfallzahlen in den Morgenstunden auf dem Weg zur Arbeit deutlich niedriger sind.
Typische Fehlerquellen im Verkehrsverhalten der Generation 65 plus
Sofern über 65-jährige Pkw-Fahrer in einen Unfall verwickelt waren, trugen sie mit 65 Prozent die Hauptschuld. Nur noch bei den 18- bis 20-jährigen wurden mit 69 Prozent ähnlich hohe Werte ermittelt. Bei den 75-jährigen und älteren wurde sogar drei von vier unfallbeteiligten Pkw-Fahrern (76 Prozent) die Hauptschuld am Unfall zugewiesen.
Ältere Menschen verlieren in komplexen Situationen schneller den Überblick als Verkehrsteilnehmer der jüngeren Altersgruppen. So waren bei den Senioren über 65 Jahren »Vorfahrtsfehler« die häufigste Unfallursache (1 088 von 3 761 gezählten Fehlverhalten dieser Altersgruppe) der Pkw-Fahrer bei Personenschadensunfällen. Diese Ursache wurde bei jedem dritten Unfallbeteiligten dieser Altersklasse festgestellt, bei allen Altersgruppen war es dagegen »Nicht angepasste Geschwindigkeit«. Es folgten Abbiegefehler mit 19 Prozent. Diese beiden Ursachen wurden bei Senioren wesentlich häufiger festgestellt als im Durchschnitt bei den Pkw-Fahrern aller Altersgruppen. Bei Fußgängern der Generation 65 plus war die häufigste Unfallursache mit 86 Prozent »Falsches Verhalten beim Überschreiten der Fahrbahn«.
Unfallrisiko 2007 für Senioren in Bayern am höchsten
Das bevölkerungsbezogene Unfallrisiko für Senioren ist in den 16 Bundesländern sehr unterschiedlich. Am stärksten gefährdet waren Senioren in Bayern mit 343 Verunglückten je 100 000 der Altersgruppe im Jahr 2007, am niedrigsten lagen die Werte in Thüringen (205). Baden-Württemberg nimmt hier mit 253 Verunglückten den 7. Platz ein, der Bundesdurchschnitt lag bei 272.
Zukünftig ist mit einer Generation der über 65 jährigen zu rechnen, die durch ein deutlich anwachsendes Mobilitätsverhalten gekennzeichnet sein wird. Dies zeigen schon die deutlich höheren Führerscheinquoten der heute 50-Jährigen. Besonders stark wird in Zukunft auch der Anteil der aktiv am Straßenverkehr teilnehmenden Frauen sein. Das Statistische Landesamt geht nach seiner Bevölkerungsprognose davon aus, dass die Zahl der Senioren im Alter von 65 Jahren und älter von heute gut 2 Millionen und einem Anteil von 19 Prozent bis zum Jahr 2025 auf gut 2,5 Millionen ansteigen wird (24 Prozent).
Sehen Sie zum Thema auch meine letzten Beiträge:
http://www.seniorenland.com/news/allgemein/senioren-bangen-bei-verkehrsstraftaten-um-fahrerlaubnis.html
http://www.seniorenland.com/news/ratgeber/senioren-fuehrerschein-autofahren-bis-ins-hohe-alter.html
Quelle:
http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Pressemitt/2008277.asp
Dominik Birgelen
Geschäftsführer
Tags: Generation 50plus, Generation 65, Senioren, Straßenverkehr, Verkehrsunfälle
