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28. Juni 2008Versorgung von Demenzkranken in Deutschland absolut unzureichend

Logo: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)

Die Versorgung von Demenzkranken wie etwa Alzheimerpatienten ist nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie in ganz Deutschland “absolut unzureichend”.

“Es gibt zwar ständig neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die molekularen Vorgänge im Gehirn bei einer Demenzerkrankung, aber die Versorgung der betroffenen Patienten bleibt auf einem schlechten Niveau stehen”, sagte Vorstandsmitglied Professor Wolfgang Maier in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

“Die Demenzkranken werden in den Pflegeheimen oder bei ihren Familien zu Hause meist nur von Allgemeinärzten und Pflegekräften ohne eine gesonderte Qualifikation versorgt”, berichtete Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn. “Dabei handelt es sich um eine Körper, Geist, Seele und die gesamte Persönlichkeit umfassende Erkrankung, die auch bei der Behandlung Spezialisten erfordert.” So fehlten den Patienten meist die Kommunikationsmöglichkeiten, um ihre Bedürfnisse und Schmerzen verständlich mitteilen zu können. “Doch wenn sie sich nicht ausdrücken können, werden viele der Betroffenen aggressiv - was die Pflege weiter erschwert.”

Wichtig sei daher eine ganzheitliche medizinische Versorgung durch Experten wie Psychiater oder Neurologen. “Der Arzt muss das Verhalten der Patienten verstehen und sich einfühlen können, weil es sonst verzweifelte Reaktionen auf beiden Seiten gibt”, betonte Psychiater Maier. “Außerdem würde sich mit einer qualifizierteren Versorgung auch die Lebensqualität der Betroffenen und der sie pflegenden Angehörigen erheblich verbessern und der Krankheitsfortschritt verzögert werden.”

Bereits heute leben in Deutschland etwa 1,1 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Durch den demografischen Alterungsprozess ist in den nächsten Jahrzehnten mit einem gravierenden Anstieg der Zahl erkrankter Männer und Frauen zu rechnen: Experten schätzen, dass bis 2050 etwa 2,3 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen sind. Derzeit ist eine “Heilung” der Demenz nicht möglich. Umso drängender sind daher die Fragen nach einer frühzeitigen Diagnose sowie einer umfassenden Versorgung und Pflege. Vor diesem Hintergrund stellt das Thema “Demenzen” als einer psychiatrischen Erkrankung eine für unsere Gesellschaft und für unser Gesundheitswesen herausfordernde Zukunftsaufgabe dar.

Weiterführende Blog-Beiträge finden Sie hier:
http://www.seniorenland.com/news/ratgeber/verbesserung-des-lebensalltags-fur-demenzkranke.html
http://www.seniorenland.com/news/ratgeber/diabetes-erhoht-das-risiko-von-alzheimer.html

Dominik Birgelen
Dominik Birgelen
Geschäftsführer

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