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4. März 2009Gewalt in der Familie

Etwa fünf Prozent aller alten Menschen über 65 Jahre erleben Gewalt in der Familie. „Wir wissen nur von wenigen Fällen, man geht aber davon aus, dass auf einen entdeckten Fall noch fünf unentdeckte kommen“, sagte Josef Hörl, vom Institut für Soziologie an der Universität Wien. Verbale Aggressionen, Drohungen sowie Vernachlässigung oder finanzielle Ausbeutung erfolgen dabei häufiger als körperliche Misshandlung.
Rund zwei Drittel der Opfer leben nach Ergebnissen der Studie von Hörl, aus dem Jahr 2008, mit dem Täter zusammen. Mehr als jede vierte Klage über Vorkommnisse oder Übergriffe betrifft den privaten Bereich, gefolgt von Heimen und Krankenhäusern. Laut Hörl gibt es bei der Gewalt innerhalb der Familie eine sogenannte “Gefühlsdynamik”. Daher ist eine eindeutige Definition und Identifikation von Gewalt im persönlichen Nahbereich besonders schwierig.
Es gibt auch fließende Grenzen zwischen “Normalität” und Gewalt, speziell in Pflegesituationen. Häufig gibt es auch Widersprüche zwischen objektiven Urteilen und subjektiven Bewertungen. Darüberhinaus ist eine Unterscheidung zwischen Misshandlung und anderen Verletzungsursachen selbst für Ärzte oft schwierig.
Körperverletzung, Freiheitsberaubung, unterlassene Hilfeleistung, Verletzung der Menschenwürde. Es sind nicht nur Schläge gemeint, wenn von Gewalt gesprochen wird. Auch das Vernachlässigen der Senioren gehört dazu. Sie bekommen zu wenig zu trinken und zu essen, sehen oft wochenlang kein Tageslicht, werden nur einmal am Tag zur Toilette geführt, haben unbehandelte Druckstellen vom Liegen oder werden beschimpft. In vielen Städten gibt es mittlerweile Notruftelefone. Hier können Senioren und auch Angehörige, die sich überfordert fühlen, anrufen und um Hilfe bitten - ansonsten hilft auch die Polizei.
Dominik Birgelen
Geschäftsführer
Tags: Freiheitsberaubung, Gewalt, Köperverletzung, Menschenwürde, Notruftelefone, Opfer, Senioren, Täter
