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27. April 2009Dem Sterben die Würde geben

Die Deutsche Hospiz Stiftung mahnt in ihrer jüngsten Studie an: es gibt keine Verbesserung bei hospizlicher und palliativer Versorgung (HPCV) in Deutschland. „Die hospizliche und palliative Versorgung stagniert in Deutschland auf mangelhaftem Niveau“, resümiert der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, die aktuelle HPCV-Studie der Stiftung. Gemeint ist die Begleitung von Menschen, die aufgrund einer schweren, unheilbaren Erkrankung dem Tod jeden Tag näher kommen. Ein schmerzhafter Prozess, der sich auf wenige Tage, aber auch auf Monate erstrecken kann.
Von 830.000 Menschen, die im vergangenen Jahr starben, wurden nur 12,5 Prozent hospizlich oder palliativ begleitet. „Benötigen würden aber etwa 60 Prozent der Sterbenden eine Begleitung. Das heißt, dass derzeit vier von fünf Sterbenden, keine hospizliche bzw. palliative Hilfe bekommen.“ 393.000 Menschen starben ohne die Begleitung, die sie benötigt hätten. Auch über die Umsetzung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung ist man bei der Hospizstiftung enttäuscht. Trotz der Einführung des Rechtsanspruchs darauf im April 2007 gibt es bislang nur wenig Anbieter.
„Die Hoffnung, es reiche aus, genügend ambulante Dienste, stationäre Hospize und Palliativstationen zu schaffen, um die Lage der Schwerstkranken und Sterbenden zu verbessern, geht an der Realität vorbei. Mehr als Insellösungen sind so nicht zu erwarten, obwohl sich Haupt- und Ehrenamtliche zur Decke strecken“, kommentiert Brysch. „Um die Situation der Betroffenen wirklich zu verbessern, darf sich die Politik nicht länger hinter der Vorstellung verstecken, den Herausforderungen könne allein durch die Kraft der vielen ehrenamtlichen Helfer begegnet werden“, mahnt Brysch. Vielmehr sei ein grundsätzlicher Schwenk in der Gesundheitsversorgung der Schwerstkranken und Sterbenden nötig.
„Wenn die Kassen nur honorieren, was wieder gesund macht, dann bleiben die auf der Strecke, die nicht mehr gesund werden können.“ Der Hospizgedanke – nämlich Selbstbestimmung und Fürsorge in den letzten Wochen und Monaten des Lebens – muss überall dort Einzug halten, wo Menschen sterben. Egal ob zu Hause, in einem Pflegeheim oder einem Krankenhaus.“
Die komplette Studie „Hospizliche Begleitung und Palliative-Care-Versorgung in Deutschland 2008“ (HPCV) kann im Internet abgerufen werden: http://www.hospize.de/docs/hib/Sonder_HIB_02_09.pdf
Die gemeinnützige und unabhängige Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung ist die Sprecherin der Schwerstkranken und Sterbenden. Sie finanziert sich ausschließlich aus Spenden und Beiträgen von über 55.000 Mitgliedern und Förderern.
Quelle
www.hospize.de/servicepresse/2009/mitteilung360.html
Hintergrundinformationen
Als Palliative Therapie bezeichnet man eine von vorneherein nicht auf die Heilung einer bestehenden Grunderkrankung abzielende Behandlung. Sie ist eine lindernde und keine heilende Form der Therapie. (Quelle: Wikipedia)
Hospiz (lat. hospitium „Herberge“) ist eine Einrichtung der Sterbebegleitung. Ein Hospiz verfügt meist über wenige Betten und ist ähnlich wie ein kleines Pflegeheim organisiert. In Deutschland gab es im Jahr 2007 151 stationäre Hospize, 139 Palliativstationen in Krankenhäusern und 1.450 ambulante Hospizdienste.
Im Hospiz bekommen unheilbar Kranke in ihrer letzten Lebensphase eine respektvolle, umfassende und kompetente Betreuung. Dabei spielt die Schmerztherapie eine große Rolle. Trauerbegleitung für die Angehörigen wird angeboten. Träger dieser Häuser der Sterbebegleitung sind zumeist gemeinnützige Vereine, aber auch Kirchen und gemeinnützige Organisationen und Stiftungen. (Quelle: Wikipedia)
Laut Umfragen möchten etwa 90 Prozent aller Menschen zu Hause sterben. Tatsächlich sterben nach Schätzungen jedoch etwa 50 Prozent der Menschen im Krankenhaus und weitere 20 Prozent im Pflegeheim. (Für Berlin wurde für 2007 die Zahl 70% genannt.) Hospize wollen dabei eine menschenwürdige Alternative sein, wenn eine Krankenhausbehandlung nicht erforderlich ist und deshalb von den Krankenkassen auch nicht mehr bezahlt wird. (Quelle: Wikipedia)
Dominik Birgelen
Geschäftsführer
Tags: Deutsche Hospiz Stiftung, Hospiz, Hospizliche Begleitung, Krankenhaus, Palliative Therapie, Palliativstation, Palliativversorgung, Patientenschutzorganisation, Pflegeheim, Sterben
