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29. September 2008Auftreten und Behandlung von Infektionskrankheiten bei Senioren

Häufig leiden ältere Menschen an mehreren Erkrankungen gleichzeitig. Die Einnahme von mehreren Arzneimitteln ist dann der Normalfall. Dadurch ergeben sich oft Probleme bezüglich Interaktion und Nebenwirkungen der Medikamente. Bei der Behandlung mit Antibiotika ist es deshalb unverzichtbar, dass der Patient sein Arzneimittel konsequent gemäß Ärtzeverordnung einnimmt. So können unerwünschte Begleiterscheinungen vermieden werden.
Das Älterwerden ist durch eine Veränderung von Organstrukturen und -funktionen gekennzeichnet. Inbsesondere verändert sich die Resorption, Verteilung und Proteinbindung von Medikamenten. Diese Prozesse beeinflussen die - aufgrund der Parallelerkrankungen komplexe - Arzneimitteltherapie.
Senioren sind anfälliger für Infektionen, wobei hier am häufigsten die Harn- und Atemwege sowie Haut- und Weichteile betroffen sind. Normalerweise müsste man annehmen, dass gerade Senioren in ihrem Leben schon viele Infektionen durchgestanden und sich dadurch eine schützende Immunität erworben haben. Allerdings altert auch die Immunabwehr und wird weniger wirksam. Die erste Grundvoraussetzung für eine intakte Immunabwehr bei älteren Menschen ist eine gesunde, ausgewogene Ernährung.
Abflussbehinderungen im Harntrakt schaffen ein ideales Milieu für eine bakterielle Besiedelung und nachfolgende Infekte. Erworbene Abflussbehinderungen entstehen vielfach durch allgemeine Erschlaffung des Bindegewebes, Harnsteine, Tumoren, Prostata-Adenome oder narbige Veränderungen aufgrund früherer Infektionen oder Tumoren. Inkontinenz oder Katheterisierung, etwa bei einem Prostataleiden, erhöhen ebenfalls die Neigung.
Infektionen der Atemwege kommen bei Senioren auffallend häufig vor. Die erhöhte Infektionsanfälligkeit ässt sich zum Großteil durch alterbedingte Umbauprozesse in den Atemwegen erklären, die eine bekterielle Besiedelung begünstigen. Die Leistungsfähigkeit der Lunge nimmt zunehmend ab, so dass sich die Kompensationsmöglichkeiten bei einer Infektion stark reduziert.
Eine gesunde Haut und Schleimhäute bieten eine natürliche Barriere gegen Bakterien. Die Haut verliert im Alter aber an Festigkeit, was durch falsche oder vernachlässigte Hautpflege, weitere Erkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten noch gesteigert wird. Die Schleimhäute können durch pH-Veränderungen, krankheits- oder medikamentenbedingte Schäden oder falsche Pflege verletzt oder zerstört sein und damit zur Eintrittspforte für bakterielle Erkrankungen werden.
Haut- und Weichteilinfektionen kommen ebenfalls im Alter häufiger vor. Die Haut wird anfälliger, da sie durch Verlangsamung der Zellerneuerung dünner wird und ihre Barrierefunktion abnimmt. Bereits kleinste Verletzungen können Infektionen und Wundheilungsstörungen hervorrufen.
Antibiotika haben bei Senioren normalerweise keine anderen Nebenwirkungen als bei Jüngeren. Allerdings können Häufigkeit und Schweregrad abweichen. Ursache ist meist eine Schädigung der Darmflora durch die Antibiotika. Die richtige Wahl eines Antibiotikums, aber auch die gute Beratung und Betreuung in der Apotheke können helfen, Neben- und Wechselwirkungen so gering wie möglich zu halten.
Der beratende Apotheker sollte sensibel erfragen, ob der Patient überhaupt in der Lage ist, sein Medikament richtig einzunehmen. Schluckbeschwerden, allgemeine Schwäche oder eingeschränkte motorische und kognitive Fähigkeiten können dies negativ beeinflussen. Hier ist eine effiziente Beratung durch Ärzte und Apotheker besonders gefragt: So sollten der Patient und eventuell auch seine Angehörigen oder Pflegepersonen genauestens über Dosierung, richtige Dosierungsintervalle und Therapiedauer unterrichtet sein. Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder Lebensmitteln sind im Vorfeld zu klären. Mitunter löst eine zeitlich versetzte Einnahme das Problem. Der Hinweis, dass manche Antibiotika das Reaktionsvermögen beeinträchtigen können, ist besonders wichtig, um zum Beispiel Stürze zu vermeiden.
Der Apotheker kann zudem Beratungshinweise geben, die die Einnahme erträglicher gestalten. So sollte der Patient Tabletten in aufrechter Position und mit genügend Wasser schlucken, aber den Kopf beim Schlucken nicht in den Nacken legen, um keinen Brechreiz auszulösen. Tabletten sollten unter anderem wegen ihres bitteren Geschmacks möglichst nicht zerkleinert werden. Treten Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Durchfall auf, sollte der Patient unverzüglich mit dem Arzt das weitere Vorgehen abklären und keinesfalls die Therapie nach eigenen Vorstellungen abändern. Generell empfehlenswert ist es, das Immunsystem so gut wie möglich zu stärken, um eine Ansteckungsgefahr weitestgehend zu reduzieren.
Quelle:
http://pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=6682
Dominik Birgelen
Geschäftsführer
Tags: Antibiotika, Apotheke, Arzneimittel, Ernährung, Infektionen, Infektionskrankheiten, Medikamente, Senioren, Tabletten
