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20. August 2010Türkische Senioren in Deutschland

Mobile Pflege, Seniorenheime, Essensdienste und andere Hilfseinrichtungen stehen den Senioren in Deutschland offen. Doch würden gerade ältere Türken das Angebot nicht nutzen, beklagt das DRK in Rheinland-Pfalz. Ein nicht ganz neues Problem, machen sich doch kulturelle Unterschiede besonders im Alter, in der Pflege, bemerkbar.
Foto: Helene Souza/ pixelio.de
2006 wurde in Berlin das erste rein türkische Pflegeheim eröffnet. Bewusst habe man sich vom Integrationskonzept einer multikulturellen Gesellschaft entfernt, so die Initiatoren. Man wolle nicht auch noch mit 60- oder 70-Jährigen über Integration reden, hieß es damals. Kenan Kolat, der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), forderte eine “Versorgung, die die Würde des Einzelnen respektiert”. Für die schnell wachsende Zielgruppe der Älteren - oft Frührentner, die jahrelang körperlich hart gearbeitet haben oder Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus - brauche es zentrale Beratungsstellen für finanzielle, rechtliche und gesundheitliche Belange, außerdem Kooperationen auch mit Pflegeeinrichtungen in der Türkei.
Es gibt aber auch Initiativen wie die der Türkischen Gemeinschaft in Mühlheim, die ein muslimisches Alten- und Pflegeheim errichten möchte. Kulturelle Identität heißt die eigene Würde zu wahren. Das Schamgefühl verbiete es Männern (religiöse Muslime), von einer Ärztin oder einer weiblichen Pflegekraft untersucht zu werden. Außerdem müsse die Medikation alkoholfrei sein. Bei der Ernährung gibt es Tabus wie das Schweinefleisch und im Fastenmonat Ramadan seien weitere Besonderheiten zu berücksichtigen. Schwierig bleibt es auch, wenn nicht die gleiche Sprache gesprochen wird. Missverständnisse sind dann vorprogrammiert. Hintergründe, die sich auch in einer „Multi-Kulti-Gesellschaft“ nicht einfach wegreden lassen. Die Politik ist gefordert. Bundesweit ist auf dieser Ebene wenig bis fast gar nichts geschehen. Dabei habe sich beispielsweise allein in Berlin die Zahl der türkischen Senioren der Generation 65-Plus in den letzten Jahren bereits verdoppelt.
Quelle:
www.rz-online.de
Bildquelle:
www.pixelio.de
Lesen Sie mehr zum Thema:
www.seniorenland.com/news/extreme
www.seniorenland.com/news/radmobil

Gerd Spranger - Presse & Medien
Tags: Altenheim, Alter, Generationen, Pflege, Politik, Senioren, türken

Am 27. August 2010 um 18:00 Uhr
Ich denke mal dass die türkischen/muslimischen Mitbürger einen wesentlich größeren Zusammenhalt in der Familie haben als wir. Da kümmert man sich gegenseitig umeinander, was bei uns nicht der Fall ist. Daher dürften “muslimische/türkische Altenheime” vollständig überflüssig sein solange es bei dieser Mentalität bleibt.
Am 8. November 2010 um 00:46 Uhr
Danke für diesen Beitrag. Wir selbst betreiben einen deutsch-türkischen Pflegedienst. Man darf nicht vergessen, dass in der türk. Kultur die pflegebedürftigen häufig noch in der Familie selbst gepflegt werden. Früher hat man das “Abschieben” seiner Eltern in ein Altenheim als eine Schande gesehene. Man muss jedoch sagen, dass sich durch das Entstehen der türk. Altenheime die Lage geändert hat.
Am 25. November 2011 um 17:36 Uhr
Ich habe vor kurzem meinen türkischstämmigen Arbeitskollegen geholfen, eine Pflegeienrichtung für seinen demenzkranken Vater zu finden.
Es hat sich als sehr schwierig rausgestellt überhaupt Einrichtungen zu finden, die türkischsprachige Pfleger beschäftigen. Gerade im ländlichen Bereich besteht da noch hoher Nachholbedarf. Wir haben dann über eine telefonische Pflegeberatung Adressen mit Einrichtungen mit türkischsprachigen Mitarbeitern bekommen.
Eine Einrichtung die sich auf muslimische Bewohner spezialiesiert, vom Essen bis zur Sprache, wäre die Ideallösung gewesen.
Hoffe bei uns setzt sich das Prinzip auch durch.
Schöne Grüße
Daniel