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26. Mai 2009Senioren in der Haftanstalt

Gefängnis

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ ist ein alter Sinnspruch deutscher Volksweisheit und mitten aus dem Leben gegriffen. Liest man die jüngste Pressemeldung zum „Knast der alten Männer“ stellt sich die Sinnfrage. Was tun mit Senioren, die es eigentlich besser wissen müssten, und doch im Knast einsitzen. In Singen gibt es jetzt den ersten „Knast für alte Männer“ und mit 35 Jahren zählt die Direktorin Ellen Albeck noch zur jüngeren Generation. 50 Häftlinge sitzen derzeit ein, alle über 60, der älteste Insasse ist 80 Jahre alt.

Über Sinn oder Unsinn meint die Direktorin: „In den großen Anstalten werden die Älteren von den Jüngeren an den Rand gedrängt. Senioren kommen mit den Anderen oft nicht mehr mit, etwa beim Sport. Sie haben andere Bedürfnisse und das Resozialisierungsziel ist ein anderes.“ 70-Jährige brauchen keine Berufsausbildung mehr, es geht um die Vermeidung von Rückfällen und um ein »gelingendes Weiteraltern« nach der Entlassung.

Die JVA Singen ist keine behindertengerechte Anstalt. Auch die 70-jährigen müssen Treppen steigen, es gibt keine Fahrstühle. Das Besondere bestehe im „eines nach innen weitgehend offenen Vollzugs“. Dafür sind die Zellen tagsüber offen und die Häftlinge können sich innerhalb eines bestimmten Bereiches frei bewegen.
„Wer hier einsitzt“, so die Direktorin Albeck, „ist zu mindestens 15 Monaten verurteilt.“ Die durchschnittliche Haftdauer beträgt fünf Jahre, ein Drittel der Insassen ist wegen Gewaltdelikten verurteilt. Ein weiteres Drittel sitzt wegen Sexualdelikten, das letzte Drittel wegen Betrugs im großen Stil. Gemeinsam ist vielen Häftlingen, dass sie Erststraftäter sind und vorher ein unbescholtenes Leben geführt haben.

Viele Senioren-Häftlinge lassen einen Partner alleine zurück, mit dem sie oft lange Zeit gelebt haben. Die Trennung wird meist als „brutal“ empfunden. Pro Monat sind sechs Besuchsstunden erlaubt, weit mehr als in anderen Haftanstalten. Zu den Schwierigkeiten hinter den Mauern von Singen gehört auch, dass es hier dem Ende des Lebens entgegengeht. Manchmal stirbt ein Häftling während der Haft. „Natürlich ist die Perspektive auf das Lebensende hin ein großes psychisches Problem, und in der unmittelbaren Situation helfen auch Ratschläge wie ‚das hätte man sich früher überlegen müssen’ nichts,“ so Ellen Albeck.

Noch ist die JVA Singen die einzige Anstalt für alte Häftlinge. Andere Gefängnisse haben spezielle Seniorenabteilungen. Ellen Albeck ist vom Konzept der Singener Anstalt überzeugt. Sie rechnet mit einem steigenden Bedarf an Senioren-Haftplätzen. Denn wenn die Gruppe der Alten wächst, wird auch die Zahl der alten Straftäter größer. Und die Senioren bleiben länger fit und sind »damit länger in der Lage, Straftaten zu begehen«, so Albeck. So wie ein kürzlich vom Münchner Landgericht zu sechs Jahren Haft verurteilter ehemaliger städtischer Beamter. Der 72jährige Pensionist hatte wegen Geldsorgen mit einer Waffe gleich drei Drogeriemärkte überfallen.

Quelle: www.neues-deutschland.de

Dominik Birgelen
Dominik Birgelen
Geschäftsführer

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2 Reaktionen zu “Senioren in der Haftanstalt”

  1. Jürgen Frey

    Ich hätte gerne mehr Informationen zu dieser JVA , Kontaktadresse ,Ansprechpartner und wie ist es mit der Besuchsregelung

    MfG J.Frey

  2. dbirgelen

    Die Kontaktinformationen sind hier zu finden: http://www.gelbeseiten.de/branchenbuch/singen/jva-singen.html. Die Direktorin ist wie im Bericht erwähnt Frau Ellen Albeck.
    Viele Grüße
    Dominik Birgelen

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