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10. September 2009Senioren brauchen Netzwerke

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Die Gerontologie habe sich (zu) lange auf die medizinische Altersforschung konzentriert. Dabei spielten die Gene, schwindende Hormone, der Einfluss von Bewegungsmangel, Fett oder Tabak und die rettenden Segnungen der Pharmazie die tragende Rolle. Die sozialen Faktoren des Gesundheitsverhaltens blieben oft außen vor, mahnen immer mehr Soziologen und Ärzte an.

Es werde immer offensichtlicher, dass Gesundheit und Lebensglück im Alter von sehr viel mehr abhängt. Status und Bildung und eine nie endende Bereitschaft zum Lernen seien ebenso wichtig. Ganz entscheidend auch stabile soziale Netze, also intakte Familien oder alternative Lebensformen. Sie binden Senioren ein und fordern sie auch in gesunder Weise, statt sie im Heim zu parken. Der Harvard-Wissenschaftler George Vaillant fasst es in einer Studie so zusammen: “Das Einzige, was im Leben wirklich zählt, ist Liebe, sind deine Beziehungen zu anderen Menschen,” und trifft damit das Herz aller christlichen Werte und Religionen.

Der amerikanische Soziologe Robert Putnam hält es für sinnvoller, einem Verein beizutreten, als sich einsam mit Diäten, Sport oder Nikotinentzug zu quälen. Das lasse den Umkehrschluss zu, dass Kommunen viel stärker ihr Gemeinwesen entwickeln sollten als nur in staatliche Wohlfahrt und Heimplätze zu investieren. Denn so würden sie auf Dauer kranke und unglückliche Senioren “produzieren”. Weniger Bevormundung durch den Staat, stattdessen Netzwerke und Gemeinschaft, mehr Hilfe zur Selbsthilfe, das könnten die richtigen Werkzeuge sein.

Diesen Schluss lässt auch eine andere Statistik zu. Denn nirgendwo sonst suchen Menschen so oft ihren Hausarzt auf wie in Deutschland. Auch bei den Gesundheitsausgaben pro Kopf rangieren die Deutschen europaweit mit an der Spitze. Doch wohl fühlen sich die meisten dennoch nicht. Die britische Stiftung “New Economics Foundation” hält diese paradoxe Erscheinung ganz klar für eine Folge unterdurchschnittlicher sozialer Kontakte zur Familie oder zu Freunden.

Berühmt ist hingegen das Beispiel aus Japan, wo auf der Insel Okinawa die meisten Hundertjährigen leben. Neben der guten Ernährung wird von Forschern auch gelobt, dass die Alten dort so viel gemeinsam unternehmen, zusammen kochen, tanzen oder fischen gehen. Die Senioren, so heißt es auf Okinawa, hätten viel “ikigai”: das Gefühl, etwas zu haben, für das es sich lohnt, morgens aufzustehen. Hier hat Deutschland den größten Nachholbedarf.

Quelle: www.welt.de
Bildquelle: www.pixelio.de

Lesen Sie mehr zum Thema:

www.seniorenland.com/news/pflege
www.seniorenland.com/news/gesundheit

selffoto

Gerd Spranger
Presse & Medien

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