25. Oktober 2009Raus aus der Stadt

hambu85 Prozent der Deutschen leben in Städten, im Einzugsgebiet großer Ballungszentren. Bei der Generation 50plus zeichnet sich ein Trend „raus aus der Stadt“ ab. Den Lebensabend verbringt man lieber in ländlichen Regionen, an der Küste oder im Voralpenraum. „Das widerspricht der weitverbreiteten These, wonach ältere Menschen eher in Ballungszentren ziehen würden,“ so Claus Schlämer, vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Foto:  A. Friedrich/pixelio.de  

Womöglich hat diese Entwicklung Folgen, denn Investoren und viele Privatanleger setzten die letzten Jahre auf „barrierefreie Wohnungen in Großstätten“ und liegen damit womöglich falsch. Der Trend „raus aus der Stadt“ ist nach einer Studie des Sozialgeografen Klaus Friedrich von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in ganz Deutschland erkennbar. „Ob in Berlin, Hamburg, Hessen oder Baden-Württemberg; die Senioren bevorzugen kleinere und mittelgroße Städte, mit intakter Infrastruktur und einem guten medizinischen Versorgungsangebot.“

Zu den Gewinnern zählen auch ostdeutsche Kommunen, die sich gezielt um die Gewinnung älterer Menschen bemühen um den Bevölkerungsschwund zu stoppen. Ein Anreiz sind ebenso niedrige Mieten von durchschnittlich 4 Euro pro Quadratmeter, wie etwa in Görlitz. In den USA haben sich in Bundesstaaten wie Arizona und Florida bereits reine Seniorensiedlungen gebildet. „Dies werden wir in Deutschland nicht erleben“, sagt Thomas Beyerle, Chefanalyst einer Immobilien-Investgesellschaft. Dennoch gibt es auch in Deutschland, wie etwa in dem bayerischen Kurstädtchen Bad Reichenhall, deutliche Tendenzen in diese Richtung. Das Durchschnittsalter liegt bei knapp 50 Jahren und die Stadtväter sahen sich genötigt, Zweitwohnungen zu besteuern. Denn so mancher Bundesbürger hat hier für das Alter bereits vorgesorgt.

Dass eine Kommune sich durchaus erfolgreich als Seniorendomizil vermarkten kann, zeige das Beispiel Baden-Baden. Die Zahl der Einwohner wuchs seit 1990 von 51.800 auf über 55.000. Während 2007 der Anteil der über 64-Jährigen an der Gesamtbevölkerung bereits 26,2 Prozent betrug, soll nach einer Prognose der Bertelsmann Stiftung in zwanzig Jahren bereits jeder dritte Bewohner zu dieser Altersgruppe zählen.

Quelle: www.ftd.de (Financial Times D)
Bildquelle: www.pixelio.de von A. Friedrich

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Gerd Spranger
Presse & Medien

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