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27. Januar 2010Lust auf das Land

Der Trend, das immer mehr Senioren die Ballungszentren verlassen, hält an. „Die Generation 50-Plus bevorzugt landschaftlich schönere Regionen“, sagt Claus Schlömer, Bevölkerungsgeograph beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Für diese neue Entwicklung gibt es bereits einen englischen Fachbegriff, nämlich Counterurbanisierung.
Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) registriert in Berlin ein negatives Wanderungssaldo von 500 Einwohnern, in Hamburg ziehen pro Jahr sogar mehr als 1000 Senioren auf das Land. Darüber hinaus verlassen jedes Jahr Tausende ältere Menschen die Städte Nordrhein-Westfalens, um an die Küste sowie auch in den Voralpenraum zu ziehen. Von der Entwicklung könnten jedoch nur Orte in ländlichen Regionen profitieren, die über eine solide Infrastruktur verfügen. “Neben einem Breitband-Internetzugang müssen Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten in akzeptabler Nähe sein”, sagt Analyst Vornholz, Leiter Immobilienresearch bei der NordLB-Tochter Deutsche Hypo.
Als ein Hauptgrund erkennt man billigere Lebenshaltungskosten und günstigere Immobilienpreise. Daneben dürfte es noch eine zweite Gruppe geben, die über genügend Mittel verfügt, sich “auf dem Land” ein Refugium zu schaffen. Sogar Hochglanzmagazine wie ‘Landlust’ und ‘Liebes Land’ spüren anhand steigender Verkaufszahlen diesen Trend. Gesucht sind Wohnträume jenseits städtischer Enge in pittoresken Landschaften. Zielgruppe: Lesern mit überdurchschnittlichem Einkommen. Gewinner sind der deutsche Alpenraum und Kleinstädte in Ostdeutschland.
Im Osten profiert zum Beispiel Weimar von der Entwicklung. Seine Einwohnerzahl stieg von 2001 bis 2008 um 3434 Menschen auf 64 734. “Görlitz konnte 2008 erstmals seit 20 Jahren wieder einen Wanderungsüberschuss erzielen”, sagt Franz-Josef Keul vom Bauplanungsamt der Stadt an der polnischen Grenze. 2155 Wegzügen überwiegend jüngerer Einwohner wurden durch insgesamt 2232 Zuzüge vorwiegend älterer Menschen mehr als kompensiert. In den Jahren nach der Wende hatte die Grenzstadt Görlitz ein Viertel seiner Einwohner durch Wegzüge verloren. 56 000 Menschen leben heute in der Stadt. Der „Alpentrend“ ist auch in Österreich, Italien und Frankreich zu spüren.
“Eine urbane Bevölkerung zieht aus der Ebene ins Gebirge”, fasst der Innsbrucker Geograf Ernst Steinicke das überraschende Ergebnis der aktuellen Forschung zusammen. Zahlreiche kleine Dörfer, die durch den Bevölkerungsschwund in den 80er- und 90er-Jahren schon zu richtigen Geisterorten aus leer stehenden Häusern verkommen waren, würden sich jetzt wieder mit Leben füllen.
Quelle: www.welt.de
Bildquelle: www.pixelio.de Foto: M. Großmann
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Gerd Spranger - Presse & Medien
Tags: alpen, Bevölkerung, land, osten, Senioren, stadt, voralpen
