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5. Juli 2008Lieber sterben als ins Heim?

Warum einsame Senioren den Tod suchen - tituliert die Welt Online am 4. Juli 2008. Alte Menschen wollen lieber sterben, als ins Heim zu ziehen. Besonders gefährdet seien Alleinlebende. Peter Klostermann vom rechtsmedizinischen Institut der Berliner Charité beobachtete, dass die Zahl der Selbstmörder über 65 Jahren leicht zunahm, und zwar bei insgesamt sinkenden Selbstmordzahlen in Deutschland. Bei den von Klostermann untersuchten 130 Alterssuiziden lag “der Anteil an Personen, insbesondere von Frauen, die zum Zeitpunkt des Suizids ohne Partner lebten, bei 66 Prozent. In dieser Gruppe ist die Aussicht am größten, irgendwann in ein Heim ziehen zu müssen, gerade wenn keine Kinder vorhanden sind. Pflege ist in Deutschland immer noch Angelegenheit der Familie. Von insgesamt 2.2 Mio. Pflegebedürftigen werden mehr als zwei Drittel zu Hause versorgt, rund 700.000 Pflegebedürftige werden in Heimen betreut. Heime werden aber zunehmend zu Orten für Alleinlebende, die nie eine Familie hatten oder deren Ehepartner verstorben ist.
Laut Umfragen richten sich die Altersängste der Deutschen vorwiegend auf den Verlust von Selbständigkeit bzw. das “Anderen-zur-Last-Fallen” und weniger auf Schmerzen. Deshalb wird sich jene Selbstmord-Neigung kaum durch neue Qualitätsoffensiven in den Heime ausgleichen. Zumal in Zeiten wachsender Selbstbestimmung schon der bloße Auszug aus der eigenen Wohnung gefürchtet wird. Das ist auch verständlich, wenn die liebgewordenen vier Wände verlassen werden müssen - vermutlich für immer. Hinzu kommt, dass das Durchschnittsalter beim Heim-Einzug bei Frauen über 80 Jahren liegt, in einer Lebensphase, in denen viele ihr Leben als abgerundet sehen. Warum es dann nicht selbst beenden?
Unter Altersforschern ist Konsens, dass sich eine höhere Lebensqualität und - freude im hohen Alter nur erreichen lassen, wenn mehr alleinstehende Senioren trotz Behinderungen weiterhin in der eigenen Wohnung leben können. Die Studie des Bundesfamlienministeriums “Möglichkeiten und Grenzen selbständiger Lebensführung in Privathaushalten” aus dem Jahr 2005 konstatiert, “dass Älter werden vor dem Hintergrund der Effekte des demografischen Wandels nicht einseitg als Last oder als nicht zu bewältigende “Zukunftshypothek” begriffen werden sollte. Hilfe- und Pflegebedürftigkeit sei vielmehr ein allgemeines Lebensrisiko, das trotz der medizinischen und auch sozialen Fortschritte der letzten Jahrzehnte insbesondere bei Menschen im hochbetagten Alter nach wie vor in relevantem Ausmaß auftritt und dementsprechend den Alltag unserer Gesellschaft mitprägt. Alleinlebende können auch bei zunehmender Abhängigkeit von Pflege zu Hause wohnen bleiben, wenn sie in allen Bereichen der Häuslichen Pflege und Versorgung, Tagesgestaltung und emotionaler und sozialer Unterstützung die erforderlichen Hilfen erhalten.”
Der Wunsch nach einem Verbleib im eigenen Haushalt ist im Falle einer eingetretenen Hilfe- oder Pflegebedürftigkeit auch heute zentrales Bedürfnis und prägendes Leitmotiv sowohl bei den Hilfe- und Pflegebedürftigen als auch bei deren (pflegenden) Angehörigen. Die Aufrechterhaltung einer eigenen Häuslichkeit wird mehrheitlich nach wie vor als entscheidende Rahmenbedingung dafür betrachtet, das eigene Leben individuell und selbst bestimmt führen und gestalten zu können. Ein Wechsel in eine stationäre Pflegeeinrichtung wird von den Betroffenen hingegen als Autonomieverlust und als Manifestation von Gebrechlichkeit und fehlender Lebensqualität gedeutet.
Sicherheit und eine optimale Versorgungsqualität korrespondieren aber mit der grundlegenden Anforderung, auch im Falle von Pflegebedürftigkeit und bei einem Wechsel in eine vollstationäre Einrichtung den eigenen Lebensabend gemäß den eigenen Wünschen und Bedürfnissen weiter gestalten zu können. In der im April 2008 veröffentlichten Studie vom Bundesfamilienministerium “Möglichkeiten und Grenzen selbständiger Lebensführung in stationären Einrichtungen”, wird positiv festgehalten, “dass auch die wohnlichen Gegebenheiten für die Mehrheit der Bewohnerinnen und Bewohner immer individueller und privater ausgestaltet werden können. Der relativ hohe Anteil von Einbettzimmern bietet Rückzugsräume und ermöglicht es, das Leben im Heim stärker im Sinne der eigenen Bedürfnisse zu führen. Als wirksame neue Potenziale erweisen sich hierbei auch die inzwischen stärker systematisiert angelegte Einbeziehung von Angehörigen sowie das zivilgesellschaftliche Engagement von freiwilligen Helferinnen und Helfern.”
Was denken Sie zu dem Thema? Schreiben Sie uns doch Ihre Meinung!
Quelle:
http://www.welt.de/politik/article2174307/Warum_einsame_Senioren_den_Tod_suchen.html
www.bmfsfj.de
Dominik Birgelen
Geschäftsführer
Tags: Häusliche Pflege, Heim, Senioren, Sterben, Tod



Am 9. Juli 2008 um 07:50 Uhr
Gerade sind die Resultate einer repräsentativen Umfrage der GfK-Marktforschung im Auftrag der Zeitschrift “Senioren Ratgeber” zum Thema erschienen. Befragt wurden 2.000 Personen.
Dabei finden sieben von zehn Menschen die Vorstellung in ein Pflegeheim zu ziehen “grauenhaft”. Jeder Achte, so die Ergebnisse der Befragung, will sogar “eher Schluss machen” bevor er in ein Pflegeheim gehen muss.
Drei Viertel der Befragten befürchten den Angaben zufolge, in einem Pflegeheim “schlecht behandelt” zu werden. Nur jeder vierte Teilnehmer der Umfrage sagt, dass er oder Angehörige “gute Erfahrungen” mit stationären Senioreneinrichtugnen gemacht hat.