8. September 2009Der Trick mit bekannten Namen

gangsterIst man selbst Betroffener wird das Spiel „Räuber und Gendarm“ tragischer Ernst. Nicht selten zählen gerade Senioren zu den Betroffenen, sie passen in das Beuteschema. So wurden dem Landeskriminalamt Hessen (LKA) in den letzten Monaten allein 145 Fälle bekannt, bei denen der „Verwandten-Trick“ funktionierte. Die meisten Fälle aber würden nicht bekannt, weil die Opfere sich schämten, vermutet das LKA.

Foto:  Tabeken/pixelio.de   

Meisten meldet sich zunächst telefonisch eine „Bekannte von Oma“ und nimmt infolge persönlich Kontakt auf. Dann, nach einer kurzen Anwärmphase, kommt man zur Sache. Man braucht Geld, und zwar dringend und schnell, am Besten sofort. Dabei werden die abenteuerlichsten Geschichten vorgeschoben, wie die von der angeblichen Nichte der Irene S.: Sie komme gerade aus Polen und wolle “Tantchen” besuchen. Die 79jährige Tante hat ihre Nichte zuletzt vor 10 Jahren gesehen, vor ihrem Schlaganfall. Die Nichte wolle den Eltern eine tolle Überraschung zum Geburtstag machen, erzählt sie dann. Sie brauche für den Kauf eines Autos 12.000 Euro, nur zur Überbrückung für 24 Stunden. Ja, die Zeit dränge, leider, denn das so günstige Auto werde sonst anderweitig verkauft. Und es sei ja für die Eltern, denen wolle man doch eine Freude machen. Und Tantchen können doch helfen, meint die “Nichte”, mit Tränen in den Augen.

In einem anderen Fall ruft ein Mann mit östlichem Akzent an. Die Frau hört Weinerliches, ihr „Sohn“ ist schwer zu verstehen. Er habe einen Fußgänger überfahren und ihm drohe Gefängnis. „Mutter hilf, ich brauche 1000 Euro und zwar sofort“. Das machte ein angeblicher Kommissar auch mit Nachdruck deutlich. Das Geld könne von einem Boten innerhalb kürzester Zeit abgeholt werden und ihr „Sohn“ könne vorerst gehen.

Es wird mit persönlichen Bindungen, Zeit und Notsituationen ein enormer Druck aufgebaut. „Viele Senioren sind dem nicht gewachsen, verlieren die Nerven, und zahlen, manchmal 20.000 Euro und mehr“, so das LKA. Die Münchner Polizei etwa ordnet den jährlich 258 Fällen von registrierten Trickdiebstählen etwa 10 Prozent dem „Enkeltrick“ zu. Professionelle Trickdiebbanden nutzen die schwachen sozialen Kontakte und das fortgeschrittene Alter ihrer Opfer schamlos aus, um sich in ihr Vertrauen einzuschleichen. Dabei ergaunern sie sich immer wieder auch sehr hohe Geldbeträge und wertvollen Schmuck.

Um es gar nicht so weit kommen zu lassen werden von der Polizei (www.polizei.bayern.de) Maßnahmen der Vorsorge gegeben:
- Lassen Sie keine fremden Personen in die Wohnung (Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit!).
- Seien sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen.
- Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis.
- Halten Sie nach einem Anruf mit finanziellen Forderungen bei Familienangehörigen Rücksprache.
- Schützen Sie die Wohnungstür mit Sicherungsmöglichkeiten (Kette, Bügel).
- Verständigen Sie im Zweifelsfall immer die Polizei (Notruf „110“).
- Bewahren Sie keine größeren Geldbeträge in der Wohnung auf.
- Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.
-
An Angehörige, Verwandte und Nachbarn wird appelliert, sich als Ansprechpartner anzubieten und das Thema auch mit bekannten Senioren zu besprechen. Hilfreich könne auch das Austauschen der Rufnummern sein und ein „waches Auge“ haben, wenn unbekannte Personen auf auffällige Art und Weise auf betagte Menschen zugehen, sich im Haus befinden, vor dem Gebäude warten oder betagte Personen aus der Nachbarschaft begleiten. Selbst Bankmitarbeitern wird angeraten auf Senioren achtzugeben, die für sie ungewöhnliche Geldbeträge abheben, vor allem wenn diese in Begleitung von unbekannten oder „dubiosen“ Personen unterwegs sind.

Quelle: www.wiesbadener-tagblatt.de
Bildquelle: www.pixelio.de

Lesen Sie mehr zum Thema:

www.seniorenland.com/news/gewalt
ww.seniorenland.com/news/anrufe

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Gerd Spranger
Presse & Medien

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2 Reaktionen zu “Der Trick mit bekannten Namen”

  1. Heidi

    Noch ein interessanter Artikel! Vielen Dank für den Spaß! :)

  2. Dennis D

    Hallo

    Ich finde es gut, dass an dieser Stelle mal etwas Aufklärung betrieben wird. Leider sind es genau diejenigen Senioren, die auf solche Abzocken hereinfallen, die hier nicht mitlesen und sich über die neuen Medien auf dem Laufenden halten.

    In meiner Berufspraxis habe ich lange Jahre an Volkshochschulen Senioren unterrichtet - hauptsächlich im Internet. Leider weiß ich aus dieser Erfahrung heraus sehr gut, wie leicht manche Menschen auf die simpelsten Betrügereien hereinfallen.

    Bleibt nur zu hoffen, dass die Zeiten irgendwann mal wieder besser werden, was das betrifft.

    Grüße, Dennis D

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